Bergmannsverein General Blumenthal
Motorsegler Barbara
ES BEGANN VOR ZWEI JAHREN (1979)
Junge RAG-Bergleute und ihre Ausbilder begannen mit dem Bau des Motorseglers Barbara.
Mit Unterstützung des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft und des Bundesinstitutes für Berufsbildungsforschung wurde das richtungweisende Ausbildungsprojekt in Angriff genommen.
Dabei konnte eine wesentliche Verbesserung des Verhältnisses zwischen Ausbildern und Auszubildenden geschaffen werden, da Hand in Hand gearbeitet wurde. Beteiligt waren an dem Projekt nahezu alle Ausbildungsberufe des Bergbaus.
Durch den Bau dieses Schiffes schufen die Jugendlichen sich selbst wie auch der übrigen Belegschaft einen bleibenden Wert; denn mit Hilfe des Bootes wird ein anspruchsvolles Freizeitprogramm angeboten, das uns Bergleuten einen guten Ausgleich zu unserer Arbeit bietet.
ZAHLEN UND FAKTEN ZUR BARBARA
538 Auszubildende und ihre Ausbilder arbeiteten gemeinsam an dem Projekt und an Teilaufgaben.
20.570 Elektroden wurden verbraucht. Das Resultat ist eine 3.280 m lange Schweißnaht. Das entspricht der zehnfachen Höhe des Eiffelturmes.
6.000 m Elektro-Leitungen wurden verlegt. Die Entfernung zwischen Recklinghausen und Marl ist genauso groß.
Ungefähr 36 Autobatterien sind notwendig, um die Energie des Bordakkus aufzuwiegen. Sie beträgt 19.200 Wattstunden.
165 m2 beträgt die Gesamtsegelfläche -
soviel wie die Wohnfläche eines Zweifamilienhauses.
ALLES VERSTEHEN
HEISST ALLES BEGREIFEN
Zwei Jahre lang wächst hinter Mauern
ein Großprojekt, das den Erbauern
viel Fleiß und Arbeit abverlangt,
bis endlich es ans Ziel gelangt.

Mit fast achtzehn Metern Eisen
wollen wir der Welt beweisen,
daß Bergleute es wohl verstehen,

mit jeder Technik umzugehen.

Daß jung und alt gemeinsam werken,
um das WIR-Gefühl zu stärken,

und es dabei spielend schaffen,
manche Fertigkeit zu raffen.

Keine Stunde ist verloren,
wenn unter Segel und Motoren
auf unserem Schiff der Geist einzieht,
den man auch im Bergbau liebt.

Wind und Wellen werden künden,
wo Gemeinschaftssinn zu finden,
und das alles besser geht,
weil die Crew sich gut versteht.

 Länge

17,50 m

Breite

5,20 m

 Gewicht

 34 t

 Tiefgang

 2,20 m

 Gesamte Segelfläche

 165 m²

 Typ Maschine

 2 x OM 352 A Mercedes

 Effektive Wellenleistung

2 x 90 kW

 Antriebsleistung

 30 kW

 Wasserdurchsatz

 250 m³/h

 Hydraulikflüssigkeit

 800 l

 Diesel

 1500 l

 Schmutzwassertank

 600 l

Trinkwassertank

 2000 l

Bordakku

 24 V/800 Ah

 Startakkus und Notkku

 540 Ah

 3 Lenz-Handpumpen

 240 l/min

 3 elektr. Lenzpumpen

 240 l/min

1 hydr. Lenzpumpe

 250 l/min

 1 Generator Onan

 12,5 kW

2 Wellengeneratoren

 1,5 kW

Kombüse

16 kW

Blei-Ballast

10 t

Überwachungseinrichtung

42 Alarmfelder

Technische Daten der Super Hydra
Im Dezember vollzieht man eine für den Bergbau wohl einmalige Taufe - eine Schiffstaufe. In rd. zweijähriger Bauzeit haben Ausbilder und Auszubildende des Bergwerks einen hochseetüchtigen Motorsegler fertiggestellt.
Das Schiff erhält am Barbaratag an Schacht 3 im Rahmen einer Feier den Namen "Barbara". Barbara Engholm, die Ehefrau des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft, Björn Engholm, vollzieht die Taufe.
An zwei Tagen der offenen Tür wird der Motorsegler auf dem Werksgelände der interessierten Belegschaft, deren Angehörigen und der Öffentlichkeit vorgestellt, bevor er zum alten Ruhrkohlehafen Marl-Brassert transportiert wird. Von dort nimmt er seinen Weg über die Kanäle zur Ostsee und wirft schließlich in Eckernförde Anker.

Das Schiff ist 17,5 m lang und 5,2 m breit, wiegt 34 t und hat eine Segelfläche von 165 m2. Zur modernen technischen Ausrüstung gehören 2 Dieselmotoren mit einer Leistung von je 123 kW, eine Radaranlage und Echolot. Es beherbergt 12 Kojen. Neben der Crew werden sich künftig Bergleute und Auszubildende, aber auch eingeladene Gäste den Seewind um die Nase wehen lassen und - zumindest bei ruhiger See - viel Spaß haben, auch wenn sie zuweilen selbst kräftig mit anpacken müssen.
Die Prägung einer Erinnerungsmedaille (Auflage 100 Stück in Silber und 1.000 Stück in Bronze) mit der Umschrift: “Bergbaujugend Baut Ein Schiff” dokumentiert das Geschehen.
Siehe auch Pressebericht von 2004
Am 14.02.2020 um 18:59 schrieb Peter Raquet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

durch Zufall fand ich im Internet Ihre Seite und dort einen Beitrag aus 2004 über Ihr stolzes Schiff „Barbara“. Dazu folgende Geschichte:

    Meine damals rd. 60-jährige Mutter weilte ca. 1985 zur Kur in Damp2000. Eines Tages, im Café „Moby Dick“, setzten sich mehrere Jungs an einen Nebentisch. Sie waren bester Dinge und unterhielten sich froh gelaunt. Das Gespräch drehte sich ausschließlich um eine „Barbara“. Auf Nachfrage meiner Mutter nach dieser „tollen Barbara“, schwärmten die Jungs von „IHREM SCHIFF“. Sofort wurde meine Mutter zum Besuch an Bord eingeladen. Sie musste hoch und heilig versprechen, wirklich zu kommen. Am Folgetag fragte sie den Hafenmeister nach dem Liegeplatz. Dieser meinte: Die Barbara sei einfach zu finden. Es sei das schönste Schiff, der einzige Zweimaster im Hafenbecken. Er sei stolz, dass die Barbara dort liege.

    Die Barbara war dann schnell gefunden. Die Mannschaft hatte Landgang, an Deck war nur der Skipper. Die Jungs hatten Mamas Besuch schon angekündigt. Der Skipper freute sich über den Besuch und zeigte Mama ausführlich das prächtige Schiff. Im Verlauf des Gesprächs räumte er ein, dass er im wirklichen Berufsleben Oberstudienrat sei. Dies durften die Jungs aber keinesfalls erfahren. Gastfreundlich wurde Kaffee gekocht, der wunderbar schmeckte.

    Zwei Tage später lief die Barbara zu einem Segeltörn auf der Ostsee aus. Mama wurde, wie selbstverständlich, eingeladen, die erste Etappe bis Eckernförde mitzusegeln. Zum ersten Mal auf offener See. Als Pfälzer Landratte ein ganz besonderes Erlebnis. In Eckernförde legte die Mannschaft zusammen und Mama konnte mit dem Taxi die Rückfahrt nach Damp2000 antreten.

    Mama ist jetzt über 90 Jahre alt. Das Erlebnis mit der Barbara war für sie so beachtlich, dass es bei ihr noch immer präsent ist. Die Begegnung mit dem Skipper und der gesamten jungen Mannschaft war geprägt von Harmonie, Fröhlichkeit und Gastfreundschaft. Die Begeisterung und der Zusammenhalt der Jungs, aber auch die Disziplin bei dieser ungewohnten Arbeit an Bord hat sie besonders beeindruckt.

Die besten Grüße aus Schifferstadt/Pfalz

    Peter Raquet

Sehr geehrter Herr Müller,
gerne können Sie den Text für Ihre Zwecke verwenden. Sicherlich kommen dem einen oder anderen Ihrer Kollegen schöne Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit.
Als ich damals meine Mutter für die Fahrt nach Hause mit dem Auto abholte, kam auch ich in den Genuss einer Bootsbesichtigung durch den Skipper. Die Baukunst Ihrer Ingenieure und Mitarbeiter war sehr beeindruckend.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Raquet
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